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Sommerhonig in Schleswig-Holstein mit bis zu 2.221 µg PA / kg Honig belastet                       Imker enttäuscht über Schmidts Entscheidung zu Glyphosat


Die für Menschen und Tiere giftigen Kreuzkräuter haben sich in vielen Regionen rasant und unkontrolliert ausgebreitet




Das große Vermehrungspotenzial (Windverbreitung, hohe Keimfähigkeit) der Kreuzkräuter (u. a. Jakobskreuzkraut, Schmalblättriges Kreuzkraut, Gemeines Kreuzkraut, Wasserkreuzkraut) kann Weideflächen, Naturschutzflächen, Ausgleichsflächen (s. r.), Begleitgrün an Straßen und Bahnstrecken rasch in Kreuzkraut-Monokulturen verwandeln und Artenreichtum verhindern.
Die in den Kreuzkräutern enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Pflanzenstoffe, die durch Stoffwechselprozesse im Körper von Menschen und Tieren in giftige Substanzen umgewandelt werden und bei dauernder Aufnahme zu irreversiblen Schädigungen führen können.

Insbesondere das Jakobskreuzkraut ist die Hauptursache für die hohe Belastung unseres Sommerhonigs mit Pyrrolizidinalkaloiden und ein ernstes Problem für die Futtermittelsicherheit auf der Weide und im Stall. Vorschau

Honigbienen auf Jakobskreuzkraut

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Rinder in der Kreuzkrautfalle

Die in den Pflanzen enthaltenen Bitterstoffe bilden für Weidetiere zwar eine gewisse Fresshemmschwelle, die in konserviertem Futter (Heu, Silage) verloren gehen - nicht aber die für den Organismus giftigen Pyrrolizidinalkaloide. Ein Merkblatt für die Haltung von Pferden, Rindern und Schafen finden Sie hier.
Neu aufgelegt wurde die umfassende Broschüre "Umgang mit dem Jakobs-Kreuzkraut Meiden – Dulden – Bekämpfen" des Landes Schleswig-Holstein (s. Abb.).



Gesetzliche Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide gibt es bislang nur für Arzneimittel, obwohl in Futtermitteln und in Lebensmitteln -z. B. im Honig, in Tees, in Küchenkräutern- immer wieder zu hohe und gesundheitlich bedenkliche PA-Belastungen nachgewiesen werden.

Tierhalter, die mit viel Mühe und Aufwand gegen die giftigen Kreuzkräuter vorgehen, sind enttäuscht und verärgert. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, wenn sie ihre eigenen Flächen kreuzkrautfrei halten, aber ein Befall durch Samenflug von benachbarten Flächen (z. B. Stiftungsflächen, Naturschutzflächen, Straßenbegleitgrün) erfolgt.
Hier ein Beispiel für die bestehenden Konflikte.

Einen umfassenden Überblick über die Kreuzkräuter (Toxizität, Humangefährdung, Tiergefährdung, Vorkommen, Verwechslung . . ) finden Sie auf der empfehlenswerten Seite Arbeitkreis Kreuzkraut e.V.
Die wertvolle Arbeit des gemeinnützigen Vereins können Sie mit einer Mitgliedschaft oder Spende unterstützen.
Informations- und Bildmaterial für den praktischen Umgang mit den wichtigsten Kreuzkräutern finden Sie auch hier: saynsclub.de.

Seit Jahren wird vor einer Ausbreitung der Kreuzkräuter gewarnt. Schon 2007 forderte der Bauernverband Schleswig-Holstein die Bekämpfung des Jakobskreuzkrautes. Bereits 2009 gab es die ersten Rufe nach einem bundesweiten Melderegister
      für große Vorkommen der giftigen Pflanze.

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In anderen europäischen Staaten wurde bereits gehandelt: In England gibt es Regelungen zur Abschätzung der Gefährdung und zur Vermeidung der weiteren Ausbreitung.
In der Schweiz regelt die Freisetzungsverordnung FrSV den "Umgang mit Organismen, die sich in der Umwelt unkontrolliert verbreiten und vermehren . . . . ., dass dadurch . . . . . Mensch, Tier oder Umwelt gefährdet werden können". Aktuell geschieht in der Schweiz folgendes.

In Deutschland haben alle auf Freiwilligkeit basierenden Maßnahmen die Ausbreitung der giftigen Kreuzkräuter bisher nicht aufhalten können!

Erfreulich klar ist die Position des Deutschen Imkerbundes e.V. zum Problem der pyrollizidinalkaloidhaltigen Pflanzen. Er fordert folgende Maßnahmen (Quelle: D.I.B. Aktuell 01/2017 Anlage 4).


Handlungsbedarf


Kreuzkrautmassenbestände eindämmen, Ausbreitung verhindern
Die politisch Verantwortlichen müssen trotz aller Widerstände der Pro-JKK-Liga endlich handeln und dafür sorgen, dass:
  • die Kreuzkräuter auf allen betroffenen Flächen eingedämmt werden und ihre weitere Ausbreitung gestoppt wird
  • damit die giftigen Pyrrolizidinalkaloide nicht in die Nahrungsketten von Menschen und Tieren gelangen.
PA-Grenzwert festlegen
Politik und Wissenschaft müssen alle Anstrengungen zur Findung und Festlegung eines gesetzlichen PA-Grenzwertes unternehmen.


Imker entschädigen
Imker, die ihren Honig wegen hoher PA-Belastung aus Kreuzkräutern nicht in den Verkehr bringen, müssen entschädigt werden (z. B. aus den üppigen Haushalts- und Fördermitteltöpfen des Naturschutzes).


Überprüfung aller Honige
Solange wir Massenbestände giftiger Kreuzkräuter in unserer Landschaft vorfinden, sollten aus Gründen des Verbraucherschutzes alle Sommerhonige im Land überprüft werden (Finanzierung s. o.).